Portrait/Almansor’s Whippet-Zucht

logofarbig_kl4.jpg1971 erwarb ich meinen ersten Hund, es war eine braungefleckte Dalmatiner-Hündin. Ich hatte viel Freude an ihr, aber leider wurde sie sehr krank und verstarb früh. Die Schwester meiner ersten Frau besaß Afghanen und war Mitglied im DWZRV und im Rennverein Berliner Bär, so kam, was kommen musste, dass wir über sie Kontakt zu Windhunden bekamen.

Nachdem meine Dalmatiner-Hündin verstarb, erwarb ich 1973 eine Afghanen-Hündin aus irischer Zucht mit dem Namen Djura of Jamboree. Fortan begeisterte ich mich für den Windhundsport, besuchte Ausstellungen und Rennen im In- und Ausland. Ich wurde Mitglied im DWZRV und im Rennclub Berliner Bär, bei dem ich später einige Zeit ein Vorstandsamt inne hatte. Mehrere Jahre leitete ich das Training der Rennhunde und war auch lizensierter Bahnbeobachter. Ich nahm rege am Vereinsleben als Sonderleiter oder Ringordner bei Zuchtschauen teil.

Djura of Jamboree

djura.jpg

Der Zwingername „Almansor’s“ kommt aus dem Arabischen und heißt übersetzt „dem Sieg gegeben wird“; dieser war gedacht für mein damaliges Ziel Afghanen zu züchten. Aber es kam wie so oft im Leben alles anders. Ich war immer etwas wegen des zurückhaltenden Wesens der Afghanen gegenüber ihren Besitzern enttäuscht. War ich doch von meinem ersten Hund, dem Dalmatiner, etwas anderes gewöhnt: Der hatte, z.B. wenn ich nach Hause kam, mich total überrollt oder sich auf der Couch an mich geschmiegt; die Afghanen haben sich distanzierter gefreut, ein- bis zweimal im Liegen mit dem Schwanz gewedelt nach dem Motto „schön, dass Du auch mal nach Hause kommst“. Das veranlasste mich dazu, nachdem ich auf Zuchtschauen und Rennen Whippets kennen und schätzen gelernt habe (ihrer Ästhetik und Anhänglichkeit wegen), eine Whippet-Hündin zu erwerben. Zu diesem Zeitpunkt wollte ich natürlich immer noch Afghanen züchten und ließ meine zuerst erworbene Hündin auch belegen, aber sie blieb leer.

Die Whippet-Hündin entwickelte sich prächtig, war erfolgreich auf Ausstellungen und wurde Champion, nur so richtig rennen wollte sie nicht, sie meinte immer, sie müsste die Konkurrentinnen vom Hasen abhalten. So habe ich mich, als die Afghanen-Hündin nicht aufgenommen hatte, entschlossen, einen Whippetwurf aufzuziehen. Das klappte und ich hatte mit dem Nachwuchs sehr viel Erfolg. So blieb es dabei und es fiel kein einziger Afghanenwurf im Zwinger Almansor’s. Meine erste Whippet-Hündin, Ch. Golden Star’s Aimée (Ch. Quickboy von Burgfried x Ch. Genette vom Buchwald) erwarb ich 1974; es war nach 30 Jahren der erste Whippetwurf, der in Berlin fiel (Züchter: W. Behnke). Dies war die Hündin, mit der meine Whippetzucht begann, sie war der letzte Nachkomme der im Deutschland der 50er- und 60er-Jahre recht dominierenden Zucht des Zwingers „Burgfried“ (Züchter: von Watzdorf). Im April 1976 fiel mein erster Wurf aus Ch. Lorbas vom Meiendorf (Caramba vom Deisterblick x Bella Donna’s Antilope) x Ch. Golden Star’s Aimée. Daraus entstammen die erfolgreichen Hündinnen Ch. Ayleen-Girl Almansor und Ch. Angie Lady Almansor. Aus dem darauffolgenden Wiederholungswurf behielt ich die Hündin Ch. Almansor’s Bugsy-Malone. Hinzu kam aus der Verpaarung Ch. Chris vom kleinen Berg x Ch. Golden Star’s Aimée der Rüde Ch. Almansor’s Chapman- Smiley. Ch. Golden Star’s Aimée.

Golden Star’s Aimee aimee1.jpg

Rückblickend kann ich sagen, dass ich bei den Paarungen doch eine recht glückliche Hand besaß und die Nachkommen der ersten Würfe sehr erfolgreich waren.

1978 importierte ich meinen ersten Hund aus England: Ch. Bredand Percy Vere (Ch. Gunsmith of Glenbervie x Hillgarth Sunkist), Züchter M.G.M. Bex. Ein weißer Rüde, der in der zweiten und dritten Generation so bedeutende Ahnen wie Ch. Cockrow Tarquogan of Glenbervie, Ch. Samarkands Greenbrae Tarragon, Ch. Ravensdown Bright Star und Ch. Deepridge Mintmaster hatte. Percy war ein außergewöhnlicher Hund, den ich nie vergessen werde und der meinen weiteren Weg als Züchter stark beeinflusste. Er war sehr erfolgreich und wurde Int., Dt., Pol. Ch. und VDH-Sieger. Bei dreimaligen Start auf der Europasieger- Zuchtschau konnte er jedesmal den Titel erringen, letztmalig im Alter von 9 Jahren. Er war im Besitz einer Rennlizenz. Percy wurde 17 ½ Jahre alt und war bis ins hohe Alter ein wunderschöner Hund (mit 16 ¾ Jahren gewann er BIS beim Jungehunde- und Veteranentag des holländischen Whippetclubs). Dieser Rüde brachte mir bei einer Paarung mit Ch. Almansor’s Bugsy-Malone den Rüden Ch. Almansor’s Easy Rider, der auch Weltjugendsieger wurde. Ein weiterer Rüde wurde nach Polen verkauft: Ch. Almansor’s Everett-Peabody (Besitzer: M. Orel) war zu seiner Zeit einer der am häufigsten benutzten Deckrüden in Polen. Auch in den Whippetahnenreihen der damaligen DDR ist er heute noch präsent. Mein vorerst letzter Wurf – aus privaten und beruflichen Gründen konnte ich mehrere Jahre nicht züchten, blieb dem Windhundsport aber immer treu – entstand aus der Paarung des zweifachen Weltsiegers Ch. Statesman of Silkstone (Topall Newbold Miquel x Lady Tarquin) (Bes. F. Sampers) und Ch. Almansor’s Bugsy-Malone. Ich meine, eine sehr gelungene Verbindung, erhielt ich doch die sehr erfolgreichen Hunde Ch. Almansor’s Funny-Girl, Ch. Almansor’s First Choice, Ch. Almansor’s Future Dream und die Hündin Almansor’s Float-On. Float-On verstarb im Alter von 15 Monaten – leider, sie hatte das Zeug zum Champion.

1993 begann ein züchterischer Neuanfang im Whippet Club Deutschland 1990 e.V. Hier war ich mehrere Jahre Geschäftsführer und 1. Vorsitzender. Während dieser Zeit war ich gemeinsam mit Bernd -J. Dörr nicht nur maßgeblich an dem Aufbau des Vereins beteiligt, sondern unterstützte meine Frau bei der Herstellung und Weiterentwicklung des clubeigenen Magazins Whippet Report, der in unserem Hause von A – Z entstand. Mit der auf Umwegen zu mir gekommenen weißen Hündin Ch. Showstar Butterfly, einer Enkelin von Ch. Bredand Percy Vere und Tochter von Ch. Appelation Controlé du Pont de Cassandra (Ch. So proudly we Hail du Sac à Malices x Secret de Fabrication du Merle Blanc), machte ich einen Wurf mit meinem französischen Importrüden Ch. Fly du Manoir de la Grenouillère (Oakbark Master Quizz x Ch. Almaglo Norcis, die ihrerseits als Eltern Ch. Samarkands Sigma und Ch. Silkstone Spun Silk hatte). Daraus behielt ich die Hündin Ch. Almansor’s Ginger Ale. Sie war Dt. Ch. (WCD), Dt. CH. (VDH), Lux. Ch., VDH- Europajugendsieger und wurde FCI-Europasieger und BOB 1996 unter Dennis Meakin, GB. Eine Wurfschwester ist die Hündin Ch. Almansor’s Gin Tonic (Bes. W. Hansen).

Ende 1993 kam die englische Championesse Silkstone Finesse (Thurma Royal Repetition x Ch. Firedance at Silkstone) (Züchter: R. Wright-Smith) zu uns. Innerhalb eines Jahres wurde sie auf dem Kontinent Int. Ch., Dt. Ch. (WCD) und Dt. Ch. (VDH). Sie hatte schon zwei Würfe in England. Eine Tochter von ihr, die leider viel zu früh verstorbene Ch. Silkstone Jewel in the Crown (Ch. Pencloe Dutch Gold x Ch. Silkstone Finesse) gewann 1994 auf der Crufts BOB und wurde 2. der Gruppe. Bei ihrem neuen Besitzer Frank Pieterse (Statuesque) in Australien machte sie BIS auf der dort größten Ausstellung, der Sydney Royal. Finesse (Becca) war ein wahrer Glücksgriff: In der Verpaarung mit Ch. Fly du Manoir de la Grenouillère brachte sie mir Ch. Almansor’s Honky Tonk Woman. Als weiterer Glücksgriff erwies sich der 1995 im Alter von 6 Monaten aus England importierte Rüde Ch. Oakbark Midnight Mint (Jazz) (Ch. Cobyco Cavalier x Ch. Moonlight Model at Oakbark), Züchter: Meakin. Die Schwester von Jazz, Ch. Oakbark Mistic Meg, gewann BOB auf der Crufts 1998 und war im gleichen Jahr Top Hound in England. Die Verbindung Ch. Oakbark Midnight Mint x Ch. Silkstone Finesse brachte mir den sehr erfolgreichen I-Wurf (Ironman, Intel, Isley, Itsy- Bitsy, Ice-T, Intruder). Ch. Almansor’s Ironman Der 1999 gefallene K-Wurf aus Ch. Almansor’s Ironman x Ch. Almansor’s Honky Tonk Woman war recht erfolgreich auf den Ausstellungen unterwegs. Kir Royal und Krazy Dazy sind Deutscher Champion, ihre Schwester Kentucky hat 2 CACs und ihr Bruder Kid Creole 6 CACs in drei Ländern. Leider konnte er seine Championate nicht mehr vollenden.

Im Jahr 2001 machte ich mich auf den langen, etwas beschwerlichen Weg nach England, um meine Hündin Ch. Almansor’s Intel Inside von dem Rüden Ch. Oakbark Millennium Gold decken zu lassen. Diesen Rüden hatte ich bei meinem Besuch des Whippet-Kongresses 1999 in England gesehen und so wartete ich nur darauf, dass England die Quarantäne abschaffte und die Einreisebestimmungen bekannt gab. Der im April 2001 gefallene L-Wurf aus dieser Verpaarung brachte mir den in unserem Haus lebenden Ch. Almansor’s Local Hero, ein überaus erfolgreicher Rüde, der neben seinen fünf Champion-Titeln (Int., Dt., Dt. VDH, Schwed. und NL- Ch.) auch zahlreiche Tagestitel erringen konnte, wie z.B. VDH-Europasieger 2006, FCI- EuroSighthound 2006, Winner Donaueschingen 2005 und 2006, Jahressieger 2005. Aber noch etwas von dieser Reise sollte meine Zucht in den nächsten Jahren beeinflussen: Ich brachte den Rüden Ch. Silkstone Secret Gold mit, der Vater von zwei Würfen ist: Der M-Wurf nach meiner Ch. Almansor’s Honky Tonk Woman (geb. im November 2002), aus dem ich mir Ch. Almansor’s Magic Moments für die züchterische Zukunft behielt. Der N-Wurf nach Ch. Almansor’s Intel Inside wurde im Oktober 2003 geboren und auch hieraus habe ich die Hündin Ch. Almansor’s No Angel behalten, um meine kleine Zucht (nunmehr wieder im DWZRV) fortsetzen zu können. 2004 machte ich einen züchterischen Ausflug, um mit dem Ergebnis wieder in meine eigenen Linien zurückzukehren: Ch. Almansor’s Intel Inside wurde ein weiteres Mal von einem in England lebenden Rüden gedeckt: Ch. Airescot Ruby Rascal. Dieser Rüde wurde in Schweden gezüchtet und hat amerikanische Whippets in seinem Pedigree, die mir durch meine Besuche in Schweden bestens bekannt sind. Trotzdem fliesst aber auch „Oakbark-Blut“ in seinen Adern, denn seine Großmutter ist Ch. Oakbark Mercia (deren Schwester Ch. Oakbark Mariel ist die Großmutter von Ch. Almansor’s Local Hero). Dieser Wurf wurde im Oktober 2004 geboren.

Ich behielt mir daraus die einzige Hündin, Almansor’s Object of Desire. Leider sollte ich aber nie die Gelegenheit bekommen mit ihr einen Wurf zu machen: Im August 2006 hatte sie einen tragischen Unfall: Sie rannte beim Spielen ungebremst in einen Zaun und verstarb innerhalb kurzer Minuten auf dem Weg zum Tierarzt.

Im Februar 2006 wurde der P-Wurf geboren. Die Kombination aus unserem Ch. Almansor’s Local Hero und Ch. Almansor’s Magic Moments – ein Wurf in den „bewährten Linien“. Daraus habe ich mir einen Rüden, Almansor’s Pet Shop Boy, behalten.

Ergänzend zu meinen Hündinnen habe ich im Januar 2006 im Alter von 7 Monaten eine Tochter von unserem Ch. Almansor’s Local Hero zu uns genommen: Budkavlen’s Bonnaire aus Schweden. Sie hat mütterlicherseits sehr bekannte und erfolgreiche Vererber in ihrer Ahnentafel, die eine sehr gute Ergänzung zu meinen benutzten Linien darstellen. Ihr Großvater ist beispielsweise Ch. Hubbestad Red Devil, ein Rüde, den ich bei meinem ersten Richtereinsatz in Schweden 1997 gesehen habe und den ich wegen seiner Qualitäten immer zur Zucht einsetzen wollte, aber diesen Gedanken nie umgesetzt habe. Er war in der Wurfplanung für meinen Q-Wurf (Frühjahr 2007) mit Ch. Almansor’s No Angel, aber leider kann er jetzt keine Welpen mehr produzieren. Deshalb habe ich mich für den noch jungen Rüden Ch. Taraly Very Close to Heaven entschieden. Sein Großvater Ch. Cobyco Cavalier war der Vater meines Ch. Oakbark Midnight Mint (der wiederum Angel’s Großvater ist).

Ich ziehe maximal einen Wurf im Jahr auf. Es gab bisher auch Pausen von mehreren Jahren, in denen ich nicht gezüchtet habe. Das kann auch in Zukunft so sein, eine sogenannt Selbstbeschränkung, da ich immer in Versuchung gerate aus dem jeweiligen Wurf einen Hund zu behalten. Auf der anderen Seite mache ich auch nur Würfe, aus denen ich etwas behalten würde. Die längeren Pausen ermöglichen es mir, die internationale Szene zu beobachten und meine zukünftigen Zuchtpläne immer wieder zu überdenken.

Züchten ist wie Schach spielen: Man muss immer mehrere Züge voraus planen. Als Richter (FCI/VDH/DWZRV) für die Rasse Whippet bekomme ich immer wieder Gelegenheit, mir den Stand der Rasse in anderen Ländern genau anzuschauen und zu analysieren.

Published in: | | on August 16th, 2007 | No Comments »